Künstlerin · Malerei

TANGO HAUTNAH – Tangueras und Tangueros von Romy Musholt

  • Romy Musholt

Tango Argentino und Malerei – gehören für mich zusammen. Selbst leidenschaftliche Tangotänzerin schöpfe ich die Themen meiner Malerei aus der Begegnung mit Tangotänzerinnen und Tangotänzern, Menschen, die mich faszinieren und inspirieren.

Es sind berühmte Persönlichkeiten wie z.B. Nicole Nau & Luis Pereyra, Adrian & Amanda Costa, Rafael Busch & Susanne Opitz, Patricia Hilliges & Matteo Panero, aber auch weniger bekannte Tänzerinnen und Tänzer aus der sogenannten Tangoszene. Abseits der herkömmlichen Klischees vermeide ich die lauten Posen und Gesten im Tango, die artistischen Kunststücke. Es ist die Begegnung im Tanz, die mich interessiert.

In meiner Kunst suche ich den Ausdruck von Emotionen, Zwischenmenschliches, Stimmungen, Leidenschaften. Die Figuren scheinen wie eingefroren im Moment der Umarmung, vereint im Selbstbewusstsein einer fast feierlichen Stille. Sehnsuchtsvoll sind die Tanzenden miteinander verbunden, konzentriert und innehaltend. In ihrem äußeren Erscheinungsbild beschreiben sie Räume des Momentanen, losgelöst von einem Davor und Danach. In vielen meiner Bilder begegnet der Betrachter solchen Situationen der Selbstversunkenheit. Nur selten nehmen die Tänzerinnen und Tänzer Augenkontakt mit ihm auf. Der Betrachter wird draußen gelassen, gedrängt in die Rolle des Unbeteiligten, des Zuschauers, des Voyeurs.

Inspiriert von der figürlichen Malerei Edward Hoppers sowie dem Pinselduktus und der expressiven Farbigkeit Xenia Hausners basiert meine Malerei auf Fotografien, die ich collageartig miteinander kombiniere. Dabei kann ich auf ein großes Fotoarchiv zurückgreifen, das mein Mann Rainer Musholt seit vielen Jahren anlegt, indem er Impressionen von Tänzerinnen und Tänzern auf Milongas mit der Kamera einfängt. Der Prozess des Sammelns und Suchens ist ein integraler Bestandteil meiner Kunst.

Ich arbeite in Serien mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Der Fokus liegt einerseits auf der Darstellung von Tangueras und Tangueros im Paar und als Einzelporträts. In diesen Bildern konzentriere ich mich auf den Gesichtsausdruck sowie die Gesten der Tanzenden, ihre nonverbale Kommunikation, wobei der Hintergrund lediglich angedeutet bleibt, um die Aufmerksamkeit des Betrachters nicht abzulenken. Die Geste der Umarmung wird zum entscheidenen Bedeutungsträger, das Halten und Gehaltenwerden. Meistens arbeite ich nur mit einem Ausschnitt der Fotografien, um Nähe zu erzeugen.

Andererseits geht es mir in meiner Malerei um den Tango als soziales Ereignis, das sich auf den Milongas in Buenos Aires und überall anderswo auf der ‚Welt‘ widerspiegelt, Tango als Lebenskunst und ganzheitliche Beziehungskultur. Meine Malerei hilft mir, mich zu erinnern und festzuhalten, sie ist die Dokumentation meiner Suche.

Romy Musholt, Juli 2018